Onkologische Schwerpunktpraxis Brandenburg an der Havel

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Onkologische Schwerpunktpraxis Brandenburg an der Havel

Dipl.-Med. Carola Saati - Priv.-Doz. Dr. med. Kristoph Jahnke, MD - Lüder Fritz - GbR

Parenterale Ernährung: Nährstoffe direkt ins Blut

Im Laufe einer Krebsbehandlung kann es vorkommen, dass die Nahrungsaufnahme über Mund und Speiseröhre vorübergehend nicht möglich oder nicht ausreichend ist. Das ist zwar für den Betroffenen unangenehm und lästig, aber kein Grund zur Panik, denn mit den Mitteln der modernen Ernährungsmedizin lässt sich die ausreichende Energiezufuhr fast immer sicherstellen, zum Beispiel durch die „parenterale Ernährung“ direkt ins Blut.

Im Wesentlichen gibt es zwei verschiedene Formen der künstlichen Ernährung: enteral und parenteral. „Enteral“ ist von dem griechischen Wort „Enteron“ (deutsch: Darm) abgeleitet. Bei enteraler Ernährung werden die Nährstoffe über eine Magensonde zugeführt und in Magen und Darm „verdaut“. Im Unterschied dazu wird die Methode, bei der die Nährstoffe per Infusion direkt ins Blut gelangen, als „parenterale Ernährung“ bezeichnet. „Par“ heißt im Griechischen „neben“ und bedeutet in diesem Fall soviel wie die Umgehung des Magen-Darm-Traktes.

Künstliche Ernährung gibt dem Körper Kraft im Kampf gegen den Krebs
Parenterale Ernährung  wird aus unterschiedlichen Gründen verordnet. Meist handelt es sich dabei um eine vorübergehende Therapiemaßnahme, die nötig ist, um einem Mangel an Nährstoffen vorzubeugen und dem Körper Kraft im Kampf gegen den Krebs zu geben. Vor allem bei Patienten mit Tumoren im Mund oder Kehlkopf, in der Speiseröhre, aber auch tiefer gelegenen Geschwulsten wie Magen-, Bauchspeicheldrüsen- oder Darmkrebs kann eine parenterale Ernährung sinnvoll sein. Auch nach Operationen des Magen-Darm-Traktes ist manchmal eine kurzzeitige Ernährung über Infusionen nötig, um den Verdauungstrakt und die Operationsnähte ein paar Tage vor der Nahrung beziehungsweise dem Stuhl zu schützen.

Ein weiterer Verordnungsgrund liegt vor, wenn Patienten zu viel Gewicht verlieren, zum Beispiel durch eine weit fortgeschrittene Krebserkrankung oder eine belastende Chemotherapie, die mit Übelkeit und Appetitlosigkeit einhergeht.

Nährstoffe gelangen direkt ins Blut

Der Prozess der Nährstoffaufnahme beginnt normalerweise im Mund. Die Zähne zerkleinern die Speisen mechanisch, der Speichel beginnt mit der chemischen Zerlegung. Der Magen und der Dünndarm setzen diese Arbeit fort, bis die Nahrung in ihre Hauptbestandteile Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette zerlegt ist. Die molekularen Bausteine dieser Bestandteile werden dann über die Darmwand ins Blut aufgenommen.

Bei der parenteralen Ernährung gelangen alle wichtigen Nahrungsbestandteile aus einer Nährlösung über eine Infusion direkt ins Blut. Der Organismus muss also die Nahrung nicht zerkleinern und verdauen. Die in der Nährlösung enthaltenen molekularen Bestandteile sind: Wasser, Salze, Kohlenhydrate meist in Form von Zucker (Glukose), Aminosäuren (Einzelbausteine der Eiweiße), Fette, Vitamine und Spurenelemente wie Zink oder Eisen. Die zugeführte Menge und auch die Zusammensetzung der einzelnen Bestandteile richten sich nach dem individuellen Energiebedarf.

Ob die Nährlösung in eine Armvene oder in eine größere Vene infundiert werden kann, entscheidet die Zusammensetzung der Lösung. Die in der Regel dünnen Armvenen eignen sich für hochkonzentrierte Nährstofflösungen nicht wirklich gut. Deshalb werden Nährlösungen, die viele Nahrungsbestandteile in hoher Konzentration enthalten, in der Regel in eine große Vene des Körpers infundiert. Dies geschieht meist über einen zentralen Venenkatheter (ZVK), einen dünnen Plastikschlauch, der unter örtlicher Betäubung in das Venensystem eingeführt wird. Der Zugang wird meist über die Vene unter dem linken oder rechten Schlüsselbein gelegt. Da dieser Venenzugang sich jedoch trotz guter Pflege und regelmäßiger Desinfektion infizieren kann, ist die solcherart durchgeführte parenterale Ernährung auf etwa zwei bis drei Wochen begrenzt.

Über einen längeren Zeitraum hinweg kann die künstliche Ernährung mittels eines sogenannten Ports durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um einen Kunststoffkatheter, der über eine der beiden Schlüsselbeinvenen in die große obere Hohlvene eingeführt wird. Am anderen Ende mündet dieser Kunststoffschlauch in eine Kapsel, die von einer Membran überspannt ist. Diese Kapsel wird operativ unter der Haut fixiert.

Der Port stellt gewissermaßen das Tor zum Blutgefäßsystem dar: Wenn eine Nährlösung per Infusion zugeführt werden soll, kann man die Infusionsnadel in die Membran der Kapsel einstechen, verletzt damit also kein Blutgefäß, hat aber dennoch eine Verbindung zum Gefäßsystem des Patienten geschaffen. Die Portmembran ist nicht so empfindlich wie die Wand einer Vene. Das heißt, über ein Portsystem können ohne großes Risiko Medikamente oder auch Nährlösungen regelmäßig ins Blut injiziert werden. Zur Anlage des Ports ist allerdings eine kleine Operation erforderlich.