Onkologische Schwerpunktpraxis Brandenburg an der Havel

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Onkologische Schwerpunktpraxis Brandenburg an der Havel

Dipl.-Med. Carola Saati - Priv.-Doz. Dr. med. Kristoph Jahnke, MD - Lüder Fritz - GbR

Spontanheilung

Haben Sie davon nicht auch schon einmal geträumt? Dass der Krebs einfach wieder verschwindet. Ganz spontan und ohne weitere Behandlung. Tatsächlich kommen solche Spontanheilungen vor, auch wenn unter Fachleuten darüber nur selten offen geredet wird.

Wenn von einem Wunder die Rede ist, reagieren gestandene Onkologen gewöhnlich eher zurückhaltend. Schließlich arbeiten sie mit naturwissenschaftlich anerkannten Methoden, sie verstehen sich als aufgeklärte Ärzte und nicht als Voodoo-Priester. Wunder: das klingt in ihren Ohren, wenn schon nicht nach höheren Mächten, dann zumindest nach niederen Instinkten, nach skrupelloser Geschäftemacherei selbst ernannter Heiler. Und doch ist es so: Jeder auf wissenschaftlicher Basis arbeitende Krebsspezialist kennt Patienten, bei denen jede Hoffnung auf Heilung aufgegeben worden war und bei denen sich dennoch – teilweise ohne ärztliches Zutun – der Tumor wieder zurückbildete.

Spontanremissionen sind häufiger als ein Sechser im Lotto
Weil sie mit dem Begriff Wunder ihre Schwierigkeiten haben, reden Mediziner lieber von Spontanremission: Sie ist definiert als spontane, dauerhafte oder zeitlich begrenzte Rückbildung des Tumors, ohne dass eine gezielte medizinische Behandlung stattgefunden hat. Bei der vollständigen Remission sind Tumorzeichen überhaupt nicht mehr nachweisbar, bei der teilweisen (partiellen) Remission sind sie um mindestens die Hälfte zurückgegangen.

Vergleichsweise häufig sind Spontanremissionen beim Schwarzen Haut krebs (Malignes Melanom). Etwa jeder zehnte bis fünfzehnte Primärtumor soll sich der internationalen Literatur zufolge spontan zurückbilden. Anders dagegen die Metastasen des Schwarzen Hautkrebses: Nur bei jedem 400. Patienten tritt diesbezüglich eine Spontanremission auf.

Auch beim Nierenkrebs beobachten Ärzte in bis zu sieben Prozent der Fälle eine Spontanremission, bei langsam voranschreitenden Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) sind es zwischen fünf und 23 Prozent. Ein selten vorkommender Tumor des Nervensystems, das sogenannte Neuroblastom, kann sich bei Kindern in einem bestimmten Stadium sogar in bis zu 80 Prozent der Fälle spontan zurückbilden. Spontanremission bedeutet aber nicht zwangsläufig auch Heilung. Genaue Zahlen kennt man nicht, aber Experten gehen davon aus, dass etwa zehn bis 20 Prozent der Spontanremissionen dauerhaft anhalten und damit einer Spontanheilung entsprechen.

Vorsicht vor „gemachten Wundern“
Natürlich gibt es auch Wunder, die in Wirklichkeit gar keine sind. Wenn jemand plötzlich und unerwartet von einer lebensbedrohlichen Erkrankung genesen ist, dann ist es legitim nachzufragen, ob das Leiden richtig diagnostiziert wurde. Nicht jeder verdächtige Schatten im Röntgenbild ist ein Lungenkrebs, trotzdem empfinden viele Betroffene die Korrektur der ursprünglich falschen Diagnose als Mirakel.

Wunder können auch „gemacht“ sein. Prinzipiell ist das ganz einfach. Man erklärt beispielsweise eine völlig harmlose Substanz, die im Blut vorkommt, als Marker für das Wachstum eines Tumors. Wird bei der Blutuntersuchung die Substanz nachgewiesen, dann gilt das als Zeichen für Tumorwachstum. Findet der „Therapeut“ dann Mittel und Wege, die Konzentration dieser Substanz im Blut abzusenken, dann steht das für die vermeintliche Rückbildung des Tumors. Wohlgemerkt: Kein Tumorwachstum ist bei diesem kriminellen Handeln beeinflusst worden, lediglich die Konzentration einer harmlosen Substanz im Blut. Beim Patienten wird aber der Eindruck erweckt, der „Therapeut“ habe ein Wunder vollbracht.

Andererseits gibt es auch Wunder, die im Lauf der Zeit erklärbar und als Heilerfolg wiederholbar geworden sind. Vor 30 Jahren beispielsweise kam die Rückbildung eines Hoden Tumors einem Wunder gleich. Heute können mehr als 90Prozent der betroffenen – meist jungen – Männer von diesem Tumorgeheilt werden. Aus dem Wunder von gestern ist der Therapieerfolg von heute geworden.

Biologische Mechanismen verstehen
Die systematische Beschäftigung mit „wirklichen“ Wunder-Phänomenen ist enorm wichtig; denn dahinter stecken häufig biologische Mechanismen, die der Organismus selbst zur Bekämpfung von Tumorwachstum einsetzt. Wenn man diese Mechanismen verstanden hat, lassen sich daraus unter Umständen auch neue Strategien zur Behandlung von bösartigen Tumoren ableiten.

Tatsächlich haben sich in der modernen Krebstherapie bereits einige Verfahren etabliert, die letztlich biologische Modelle der Tumorbekämpfung nachahmen. Bei der Behandlung bestimmter Brustkrebsarten werden heute beispielsweise Medikamente eingesetzt, die so den Hormonhaushalt der Frau beeinflussen, dass sie die Situation nach den Wechseljahren imitieren. Im Labor hergestellte Antikörper, die exakt eine einzige Struktur auf der Oberfläche bestimmter Krebszellen erkennen, sind unter anderem bei der Bekämpfung sogenannter Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) mittlerweile Standard.

Ohne die Bildung von Blutgefäßen im Tumorgewebe kann der Krebs nicht überleben. Wenn ein Tumor nicht mit Blut versorgt wird, kann er nicht wachsen und bildet sich zurück. Die Hemmung der Blutgefäßbildung in Tumoren – die Anti-Angiogenese – ist mittlerweile Bestandteil einer Reihe von Therapiekonzepten.

Viele offene Fragen
Trotz dieser beeindruckenden Forschungserfolge kann man nicht erwarten, dass jedes Wunder oder jede Spontanremission schon bald erklärbar sein wird. Das biologische System Mensch funktioniert nicht so einfach wie ein Schalter, der nur auf An oder Aus stehen kann. So lässt sich häufig nicht genau bestimmen, welchen Anteil eine Chemotherapie an der erfolgreichen Bekämpfung eines Tumors wirklich hat. Ist es die Wirksubstanz allein oder ist es auch die Veränderung der Lebensumstände seit der Diagnose? Ist es die Auseinandersetzung mit der Krankheit oder der Entschluss, die Krankheit zunächst zu verdrängen? Welche Rolle spielt die Unterstützung durch das soziale Umfeld?

Wunder lassen sich nicht erzwingen
Eine schlüssige Antwort auf diese Fragen gibt es bisher nicht, und ob es sie jemals geben wird, erscheint aus Sicht eines Patienten zunächst zweitrangig. Denn es gilt, hier und heute die Erkrankung möglichst wirkungsvoll zu behandeln und gegebenenfalls auch die Tatsache zu bewältigen, dass eine komplette Heilung nicht möglich ist. Festzuhalten ist, dass unerklärbare Heilungsverläufe in der Krebsbehandlung häufiger sind als gemeinhin angenommen. Festzuhalten ist auch, dass sich Wunder nicht erzwingen lassen. Es ist bisher nicht gelungen, zwischen dem Auftreten von Spontanremissionen einerseits und willentlicher Anstrengung, bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, festen Überzeugungen oder dem Umgang mit der Erkrankung andererseits einen Zusammenhang herzustellen.

Keine individuelle Prognose
Das Phänomen der Spontanremissionen relativiert auch den Wert von sogenannten Prognosen. Viele Patienten wollen wissen, wie viel Zeit ihnen noch bleibt. Es gibt große Studien, in denen die mediane Überlebenszeit in Abhängigkeit von einer bestimmten Therapie untersucht wurde; diese Ergebnisse lassen sich jedoch nie auf den Einzelfall übertragen – gerade wegen der immer wieder möglichen überraschenden Wendung im Krankheitsgeschehen. Oder anders ausgedrückt: Wenn Sie von medianer Überlebenszeit hören, dann machen Sie sich klar, dass jedem zweiten Patienten mehr Zeit verbleibt als die dort angegebenen Monate oder Jahre.

Falsche Heilsversprechen
Und noch ein Rat: Seien Sie misstrauisch, wenn Ihnen jemand Heilung oder gar Wunderheilung verspricht. Heilsversprechen oder auch nur die Aussicht auf Heilung bei schweren Tumorerkrankungen ohne objektiven Wirksamkeitsnachweis sind unlauter, im schlimmsten Fall kriminell, spätestens dann, wenn mit Angst oder der möglichen Aussicht auf Heilung Geschäfte großen Stils gemacht werden.

Sie haben das Recht, alles zu tun, was Ihnen gut tut – je offener Sie mit uns darüber reden, was Sie tun, um die Erkrankung zu überwinden, desto wirkungsvoller können wir Sie dabei unterstützen.